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"KRAFT
der Natur"
war das
Thema der Ausstellung in der Sindelfinger Klosterseehalle, anläßlich
des 10 j. Jubiläum des Sommerhofenparks (Landesgartenschaugelände
1990), vom 4-6. August 2000.
Japan, das
Ursprungsland dieser Blumensteckkunst, steht für viele Europäer
immer noch traditionsgemäß für den Gedanken der Meditation,
der Ruhe und des Einklangs mit der Natur.
Doch um „leise
Töne“ der Natur sollte es in dieser Präsentation nicht gehen.
Vielmehr beschäftigten
sich die Ikebana-Meister/innen mit der Kraft, der Gewalt der Unbeherrschbarkeit
der Natur.
Wir alle kennen
diese Seite der Natur: Noch immer sind wir dabei, die Schäden, die
der zerstörerische Hagel- schauer oder auch der Sturm ,,Lothar“ in
unseren Regionen angerichtet haben, abzuschätzen. Aber auch Überschwemmungen
in Asien, Hurricances in den USA, |
Erdbeben in Vorderasien
gehören zum Alltag in den Nachrichten.
So unbarmherzig
diese Naturgewalten auch über uns hereinbrechen, so stark ist jedoch
auch die Kraft der Natur, sich wieder zu regenerieren. Jede Zerstörung
ist zugleich auch ein Neuanfang.
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Ebenso
kennen wir den Zyklus der Jahreszeiten, das Keimen und Blühen im Frühjahr
bis hin zum Vergehen und Absterben im Herbst.
Dieser Zyklus
ist auch übertragbar auf unser eigenes Leben.
Ein Ikebana-Gesteck
„lebt“ nur für kurze Zeit. Das Welken, der Zerfall eines Ikebana beginnt
fast unmittelbar nach seiner Vollendung. Es kann somit
bereits als Kunstform Symbol für das Werden und Vergehen der Natur
gesehen werden.
Die Werke
dieser Ausstellung erinnerten uns aber auch an unser Dasein als Teil der
Natur, an unsere eigenen Neuanfänge, unsere eigene Regeneration nach
„starken Stürmen“. |
Die Werke dieser
Ausstellung erinnerten uns aber auch an unser Dasein als Teil der Natur,
an unsere eigenen Neuanfänge, unsere eigene Regeneration nach „starken
Stürmen“.
Pressestimmen
Stuttgarter
Zeitung vom 5.8.2000:
Foto Weise/factum |
Filigrane
Kunstwerke aus Blüten und Schrott
Entsprechend
drapiert, kann ein rostiges Metallrohr richtig schön sein. Verblüffend.
Interessant auch der Farbkontrast, den schwarze Grillkohlestückchen,
die auf eine mannshohe Holzplatte geklebt sind, mit sattroten Nelkenblüten
bilden, mit denen eine ausgehöhlte Baumstammhälfte ausgekleidet
ist. Was eine Ikebana- Meisterin mit Erfahrung und einem an der Natur geschulten
Auge aus Materialien wie Pflanzen, aber auch Steinen, Holz und Schrott
machen kann, zeigen heute und morgen jeweils von 10 bis 19 Uhr 25
Meisterinnen der Blumensteckkunst in der Sindelfinger Klostersee- halle.
Initiiert hat die Ausstellung „Kraft der Natur“ der Regiebetrieb Stadtgrün
der Stadt Sindelfingen. Zehn Jahre nach der Landesgartenschau wollte Thomas
Speer, Leiter des Regiebetriebs, ein „Highlight“ haben. Deshalb lud er
Meisterinnen der Ikebana-Schule Stuttgart nach Sindellingen ein. (bik) |
Böblinger Bote vom
6.8.2000:
JaS-Foto:
Simone Ruchay
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Die
gegenseitigen Kräfte der Natur
SINDELFINGEN
- Erbarmungslos haben die Naturgewalten wieder zugeschlagen. Bäume
entwurzelt, Eimer durch die Lüfte geschleudert, bis sie völlig
zerdellt und verbogen sind, Fensterscheiben sind zersplittert.
Doch dazwischen zeigt sich neues Leben. Farbenprächtige Blüten
bahnen sich einen Weg - zumindest in der Ausstellung „Kraft der Natur“. |
„Do“ - der Weg
ist das Ziel, die Kunst. Nicht das Ergebnis als solches ist das Kunstwerk,
sondern der Weg dorthin, die Auseinandersetzung mit einem Thema, der kreative
Prozess, das Suchen nach einer Lösung, die innere Ruhe und Einkehr.
Viel Zeit und Ruhe braucht es, will man sich mit dieser traditionsreichen
japanischen Kunstform auseinandersetzen. Denn eines der Hauptthemen ist
eben die Auseinandersetzung mit einem Gegenstand, das Nachdenken, wie dies
umzusetzen und zu gestalten ist.
In der Sindelfinger
Klosterseehalle ist an diesem Wochenende etwas von dieser Auseinandersetzung
zu sehen. „Kraft der Natur“ ist das Motto der Ausstellung der Stuttgarter
Ikebana-Schule. Zustande gekommen ist das Projekt unter dem Eindruck des
Sturmes "Lothar", der letztes Weihnachten so verheerende Auswirkungen gezeigt
hat. Thomas Speer von der Sindelfinger Stadtverwaltung hat diese Ausstellung,
wie er in seiner Eröffnungsrede am Freitagabend betonte, als "Höhepunkt
des zehnjährigen Jubiläums des Sommerhofenparks" konzipiert und
stieß bei der Stuttgarter Ikebana-Schule gleich auf offene und begeisterte
Ohren.
Ein altes
Fenster mit zerbrochenem Glas, aus dem ein einzelner Zweig mit zwei noch
geschlossenen Kastanien wächst. In der Ecke steht eine Skulptur aus
Teilen eines gesplitterten Baumstammes, die durch eine sie durchbohrende
Stahlstange verbunden werden. Immer wie der trifft man auf farbenprächtige
Blüten, die einfach nur im Wasser schwimmen. Ruhe ausströmende
Steine, totes, verbranntes Holz, Stahl und Draht, etwa in Form von Zäunen
oder alten Blecheimern. Eindrucksvoll auch das auf dem Boden liegende Rechteck
aus zerbrochen Dachziegeln. Ebenfalls markant ein Kreuz aus glattem weißem
Stein mit einem Teil eines abgestorbenen Baumes als Querholz
auf dem, quasi Zeichen eines Neubeginns, frische grüne Blätter
wachsen.
In dieser
Ausstellung werden die Kräfte der Natur gezeigt, die negative Seite
mit Gewalt und Unbeherrschbarkeit und die positiven Kräfte wie Sonne,
Wind und Regen, die Energie und Leben spenden. Die Stuttgarter Ikebana-Meisterin
Gabriela Wagner erläutert die Natur als Wandel von Entstehen und vergehen.
Mit großer Materialvielfalt, dem inspirierten Geist des Materials
und dem Herz des Gestalters werden Werke von kurzer Dauer geschaffen. Interessant
auch, dass viele Meisterinnen Gedichte als Inspirationsquelle benutzen.
Sonnenblumen, deren Stengel sich kunstvoll winden. Ein einzelner moosbewachsener
Zweig, der aus einer Art Zelt aus Holz, in dem ein Beet frischer Gänseblümchen
blüht, herauswächst.
Wer in dieser
wirklich lohnenswerten Ausstellung in der Klosterseehalle noch die Kräfte
der Natur ebenso wie innere Ruhe und Einkehr finden, sich ebenfalls mit
Natur und Umwelt auseinandersetzen will, der muss sich sputen.
Denn nur noch heute sind von 10 bis 19 Uhr diese Kunstwerke zu sehen.
Markus
Dippold
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| Sindelfinger
Zeitung vom 10.8.2000:
Ikebana
ist Blumensteckkunst, die -ursprünglich aus China stammend- von Mönchen
nach Japan gebracht wurde. Ike heisst Blume und bana bedeutet lebendig
sein. In Stuttgart gibt es seit 1970 eine Schule, an der man diese Kunst
der "lebendigen Blume" erlernen kann.
„Eine Meisterprüfung
gibt es allerdings nicht“, sagt Gabriela Wagner. „Zur Meisterin wird man
ernannt, wenn man soweit ist.“
Sie ist seit
1992 Meisterin und eine der Sindelfinger Ikebana-Meisterinnen, die sich
n einer Ausstellung in der Klosterseehalle beteiligten. Mittlerweile gibt
es die Blumensteckkunst weltweit.
Ursprünglich
wurde diese Kunst von Männern dominiert, in Japan ist das auch heute
noch so. In Deutschland wird Ikebana hauptsächlich von Frauen betrieben.
Ikebana ist
eine eigenständige Kunst, für den Augenblick |
Erika Bensch,
Ikebana-Meisterin aus Sindelfingen, an einem ihrer Kunstwerke: Auch ein
alter Fensterrahmen mit gebrochenem Glas kann schön sein.
Bild: Stampe |
konzipiert. Man
kann sie nicht kaufen, erstens sind die Kunstobjekte schwer zu transportieren
und außerdem vergänglich.
Verwendet
wird für ein Ikebanagesteck alles, was dem Künstler gefällt,
Pflanzen, Wurzeln, Glas, Metall und was einem sonst so einfällt. Wälder
und auch Schrottplätze sind tolle Fundgruben für Ikebana. „Auch
ein rostiges Rohr kann wunderschön sein“, sagt Gisela Jansen, Leiterin
der Stuttgarter Ikebana-Schule.
Deshalb ist
intensive Naturbetrachtung auch sehr wichtig bei Ikebana. Die Grundform
besteht darin, die Beziehung zwischen Himmel, Mensch und Erde kennen zu
lernen. Beginnen kann mit Ikebana jeder, der Freude an der Natur und an
eigener Kreativität hat.
Mit der Ausstellung
in der Klosterseehalle versuchten die Ikebana-Meisterinnen zu zeigen, dass
diese Kunst sehr viele Möglichkeiten zur eigenen Entfaltung bietet.
Die Blumensteckkunst ist sehr frei, man muss nicht unbedingt mit Blüten
arbeiten. Auch gibt es zur Zeit eine Tendenz hin zu wenig Material, statt
einer Fülle von Blüten.
„Ikebana bietet
die Möglichkeit, etwas auszudrücken, was sich nicht mit Worten
fassen lässt“, so jedenfalls steht es im Handzettel der Stuttgarter
Ikebana-Schule. „Die Arbeit an einem Ikebana-Gesteck ist sehr konzentriert,
fast schon meditativ und dadurch auch sehr entspannend", so Gabriela Wagner.
An die 100 Meister gibt es im Großraum Stuttgart, die nach ästhetischen
Gesichtspunkten Ikebanawerke schaffen. Dabei kommen oft sehr beeindruckende
Stücke zustande, die man wider besseren Wissens am liebsten für
immer erhalten möchte.
Jana
Schnaubert
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Eröffnungsworte
zur Ausstellung in Sindelfingen
Sehr geehrte
Damen , sehr geehrte Herren, liebe Kolleginnen und liebe Kollegen!
J.W. von Goethe
sagte einmal:
„Natur und
Kunst sie scheinen sich zu fliehen, und haben sich eh man es denkt gefunden;
der Widerwille
ist auch mir verschwunden und beide scheinen gleich mich anzuziehen...“
Dieses Zitat
zeigt wie zeitlos die Diskussion um Kunst und Natur ist.
Die „Kraft
der Natur“ ist das Thema der Ausstellung, mit dem sich die Meisterinnen
der Stuttgarter Ikebana Schule befaßt haben. Es ist ein reichhaltiges
Thema, daß viele Möglichkeiten bietet.
Da ist zum
einen die Gewalt und Unbeherrschbarkeit der Natur, wie wir sie alle kennen.
Sie zeigt sich in Stürmen, Erdbeben, Überschwemmungen, Vulkanausbrüchen
und dergleichen. Zum anderen die positive Kraft, die Energie und Leben
spendet. Ich denke etwa an Wind und Sonne und an erfrischenden Regen.
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Die
Faszination, die die „Kraft der Natur“ ausübt, haben die Meisterinnen
mit viel Phantasie umgesetzt. In ihren Werken finden sich Kunst und Natur.
Sie als Besucher
fragen sich vielleicht, warum diese Ausstellung eine Ikebana Ausstellung
ist, fragen vielleicht, was ist überhaupt Ikebana?
Ikebana stammt
aus Japan. Das Wort besteht aus zwei Begriffen: |
Ikeru – lebendig
sein, lebendig erhalten, bana- die Blüte oder Blume, frei übersetzt
ist Ikebana- die Kunst der lebendigen Blüte oder einfach lebendig
sein.
Ein Ikebana-Künstler
erlernt zunächst Methoden und Regeln dieser Kunstform.
Diese sind jedoch nicht spezifisch japanisch und damit nur auf dieses Land
bzw. diesen Kulturkreis beschränkt. Die Liebe zur Natur und eine genaue
Naturbetrachtung sind Grundvoraussetzungen. Die Natur ist einem ständigen
Wandel von Werden und Vergehen unterworfen. Das zeigt sich auch beim Ikebana.
Da ein Ikebana nur für einen begrenzten Zeitraum konzipiert ist, unterscheidet
es sich deutlich von anderen Künsten.
Ikebana ist
eine eigenständige künstlerische Ausdrucksform, die sich nicht
auf die Nachahmung von Vergangenem begrenzt.
Bereits 1930
gaben bekannte Ikebana Künstler in Japan ein Manifest heraus, in dem
sie sich gegen das Festhalten an Überliefertem und Formalem aussprachen.
Statt wie bisher nur mit einheimischen Blumen und Zweigen zu arbeiten,
verwendete man nun auch andere Materialien wie Papier, Metall , Kunststoff
usw. Der Ikebana-Künstler läßt sich von der erweiterten
Materialvielfalt inspirieren und schafft ein Ikebana, in dem sowohl der
Geist des Materials z. B. der Blume ,als auch das Herz des Gestalters zum
Ausdruck kommt.Menschliches dringt in die Natur und schafft ein Kunstwerk
über das man nachsinnen kann. Es entstehen lebende Skulpturen, jede
anders, jede mit einer eigenen Individualität ausgestattet.
Wenn Sie sich
die heutige Ausstellung betrachten, so werden Sie diese Vielfalt erkennen.
Ich wünsche Ihnen einen anregenden unterhaltsamen Abend. Die
meisten Künstlerinnen sind anwesend und stehen Ihnen für ihre
Fragen gerne zur Verfügung.
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Hier
können Sie Auszüge aus dem Sindelfinger Gästebuch nachlesen

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