Stuttgarter Ikebana Schule eV.     “shin eigetsu shofu ryu

Japanische Impressionen
Ikebana und Fotografie


Östliche Kultur gesehen mit westlichen Augen
11. - 20. März 2005
Galerie Contact Böblingen

IKEBANA trifft auf Fotografie (aus der Sindelfinger Zeitung vom 11.3.2005)

Hochhäuser stehen wie selbstverständlich neben Tempeln. Menschen im Kimono un­terhalten sich mit Jugendlichen in Jeans und kurzen Röcken. In Japan verbindet sich Alt mit Neu, uralte Traditionen mit moder­nem Leben. Das Land der Gegensätze ist zwar das gemeinsame Thema von Gaby Zöllner-Glutsch, ihres Bruders Volker Zöll­ner und dessen Lebensgefährtin Dagmar Wießner. Doch die drei arbeiten mit ganz unterschiedlichen Darstellungsmitteln.

In der Ausstellung „Japanische Impressionen" trifft Ikebana, die japanische Art Blumen zu arrangieren auf Fotografie. Sie Schau eröffnet heute Abend in der Böblinger Galerie Contact um 19 Uhr. Indem Meisterinnen und eine Schülerin der Ikebana­ Schule Stuttgart kunstvolle Blumengestecke gestalten, interpretieren sie ausgewählte Bilder aus Japan.

Kirschblüten, Bambus, Gras

Anhand von Kirschblüten, Bambus, Gras, Holz und anderen Naturmaterialien geben die Frauen den

Ausdruck und die Emotionen der Momentaufnahmen wieder, die Volker Zöllner und Dagmar Wießner

Den roten Sonnenschirm setzt Ikebana-Meisterin Gaby Zöllner-Glutsch in ein stilvolles Blumenarrangement um.

während eines zweiwöchigen Japanaufenthalts im vergangenem Jahr eingefangen haben. Volker Zöllner ist eigentlich Schmuck-Großhändler und hat seinen Blick für Motive durch das Fotografieren seiner Waren schärfen können. Gleich nachdem Gaby Zöllner-Glutsch die rund 500 digitalen Aufnahmen ihres Bruders und dessen Lebensgefährtin gesehen, hatte, war ihr klar: „Wir müssen gemeinsam ausstellen." Sie selbst ist seit ihrer Jugend Japanfan. „Mein Lehrer hat mir dieses Land ans Herz gelegt." Seitdem ist die Böblingerin fasziniert von dieser „außergewöhnlichen Kultur". 1978 hat sie mit Aikido, einer japanischen Form der Selbstverteidigung angefangen. Das körperlich Training reichte Gaby Zöllner-Glutsch aber nicht aus. In Ikebana, der japanischen Kunst des Blumensteckens fand sie, was sie noch suchte: Eine meditative Entspannung.

„Es ist mein Weg wieder zu mir zu kommen, abzuschalten nach einem stressigen Arbeitstag." Ein Blumenweg eben. Dabei geht es darum die Balance zwischen Spannung und Ruhe in dem Gesteck und sich selbst zu finden. Wer Ikebana betreibt beobachtet und begegnet der Natur, um sie sich dann ins Haus zu holen. Man setzt sich mit der Philosophie und der Ästhetik einer fremden Kultur auseinander.

Mit einem Kurs an der Volkshochschule fing die Mutter zweier Söhne an. Dort lernte sie die Grundformen dieser japanischen Kunst kennen. Heute hat Gaby Zöllner­Glutsch längst das Meisterdiplom der Stuttgarter Ikebana-Schule in der Tasche und gibt selber Kurse an der Böblinger Volkshochschule. Darüber hinaus ist sie seit 2004 Präsidentin des Ikebana-Bundesverbandes. Und hat schon bei einigen Ausstellungen mitgewirkt, unter anderen bei verschiedenen Bundesgartenschauen.

„Wir Europäer haben kein japanisches Herz", hat Nao Müller-Nishio, die Gründerin der Stuttgarter IkebanaSchule immer zu Gaby Zöllner-Glutsch und ihren anderen Schülerinnen gesagt. Deshalb könnten wir die japanische Tradition nur aus unserem westlichen Blickwinkel abbilden und neu formen. Die Schule verknüpft das klassische und sehr strenge Ikebana mit westlichen Kunstformen.

Haiku oder auch Kurzgedichte

Auch die ausgestellten Fotografien und deren blühenden Interpretationen sind deshalb östliche Kultur, die mit westlichen Augen gesehen wird. Deutschland präsentiert sich dieses Jahr mit landestypischer Musik und deutschen Knowhow in Japan. Warum also nicht etwas japanische Kultur, und Schwung nach Böblingen tragen, dachte sich Gaby Zöllner Glutsch. „Ikebana ist eigentlich sehr schwäbisch", sagt sie schmunzelnd. „Sparsam in den Mittel, ist die Kunst mit wenig Kosten verknüpft."

Land und Leute im heutigen Japan ste­en im Mittelpunkt der Schau. 36 ausgewählte Fotografien entführen in den Lebensraum und die Philosophie der fernöstlichen Kultur. Das Thema Alt und Neu soll sich auch in den Blumenarrangements wiederspiegeln, welche vor Ort entstehen. Fernöstliche Bild- und Tondokumente runden die Ausstellung ab. „Wende dich ab vom lauten Tun und die Stille wird fruchtbar in dir": Besucher der Vernissage dürfen sich über Haiku, japanische Kurzgedichte freuen, die auf deutsch vorgetragen werden.

Die Ausstellung „Japanische Impressionen, östliche Kultur gesehen mit westlichen Augen" in der Galerie Contact, Marktgässle 4 läuft von Freitag 11. März bis Sonntag, 20. März.                      

Geöffnet ist die Schau Samstags und Sonntags von 11 bis 18 Uhr; Dienstag und Freitag von 16 bis 19 Uhr. Am Wochenende und am Mittwoch können die Besucher jeweils um 16.30 Uhr die Kunst des japanischen Blumenarrangierens live erleben. Der Eintritt ist frei.

Natalie Kanter 

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