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Aufbruch" heißt das Thema, mit dem sich die Ikebana-Frauen beschäftigt haben. Aufbrüche in der Natur, Aufbruch der Freude, der Gefühle, der Liebe, aufbrechende Formen und auch Aufbruch in der Poesie. In den Ikebana-Kreationen festgefroren für einen Augenblick. Kompositionen aus Blumen und Gegenständen, die ihre Spannung aus ihrer Gegensätzlichkeit ziehen: Kunst trifft auf Natur, Arrangiertes auf Zufälliges. Eine einzelne Blume steht stellvertretend für die ganze Natur, eine rostige Kanne symbolisiert die Vergänglichkeit. Die Gegensätze auszuhalten, das fällt deshalb leicht, weil alles zur Harmonie strebt. Schönheit und Eleganz, die freilich nicht nur gefällig sein wollen. Ikebana-Menschen sind Sucher. Und sie sind stur. Weil Rose Köfer will, dass ihr Birke-Reis sich so und nicht anders um den rostigen Drahtkorb schlängeln soll, hat sie es erst im Gartenteich gewässert, biegsam gemacht und dann in Form gebracht. Nun streben die dürren Äste so natürlich in ihre Umgebung, dass der Betrachter die kleine Manipulation nicht einmal mehr erahnt, nicht einmal mehr erahnen kann. Aus dem Korb leuchtet grün-grell ein Naturprodukt, das beim ersten Anblick ein Salatkopf sein könnte, beim genauen Hingucken sich aber als Schneeball entpuppt. Sehen lernen, das Einzelne als wertig betrachten- auch dafür können einen die meditativen Kunstwerke anregen. Rindenstücke verbergen und enthüllen das neue, leuchtende Gelb der Osterglocken. In einer weißen Vase stehen in vollkommener Harmonie das leuchtende Winterrot der Hartriegel mit den frischen Frühlingsfarben der Tulpen. Die Holzscheibe, die der Specht durchbrochen hat, hat ihren Platz neben dunkellila Calla. Und wie durch Zauberhand zeichnen beide einen Kreis. Übereinstimmung und harte Kontraste: Der Ausbruch eines Vulkans gab die Idee für die Komposition aus schwarz verkohlten Baumstümpfen und feuerroten Rosen, Scheinbar Totes erhält Energie, wird lebendig. Kalliopi Fouskas arrangiert orange-gelbe Tulpen mit Aststückchen in einer Vase. Darüber stülpt sie eine Säule aus Plexiglas. "Den Frühling sehen, aber nicht fassen können, mein eigenes Schicksal." Das Haiku interpretiert das Ikebana. Was war zuerst: dasHaiku, die Idee, der Gegenstand, die Blume? Annerose Merkt hat ein altes Rohr in eines ihrer Ikebanas verarbeitet. Wo sie es denn gefunden habe? "Das hat mich gefunden", sagt die IkebanaMeisterin und rückt die Blüte um einen Millimeter weiter. Sabine Reichle
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