Stuttgarter Ikebana Schule eV.     “shin eigetsu shofu ryu

IKEBANA Ausstellung "Licht der Hoffnung"
im kath. Gemeindehaus St. Johannes in Nürtingen 20. und 21. Februar 2010

Impressionen der Ausstellung

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

Seitenanfang

aus ZVW, Waiblingen vom 16.Februar 2004

IKEBANA: Schönheit für einen Augenblick
Austellung in der Alten Kelter in Winterbach am Wochenende - und heute sind die Gebilde wieder verschwunden

Mit der Ikebana-Kunst sei es wie mit dem Schreiben, sagt Annerose Merkt. Erst lernt man die Buchstaben und dann ganze Worte. Erst lernt das Kind den eigenen Namen schreiben und irgendwann später schreibt es vielleicht ein Gedicht. Der Weg von diesem einen Wort zur Poesie kann lang oder kurz sein, er kann ein Ende finden oder niemals ankommen. Der Weg ist wie so oft das 'Ziel. Und was die Gäste am Wochenende in der Alten Kelter in Winterbach   bewundern durften, war eine Etappe auf dem Weg von 16 Ikebana-Künstlerinnen, die bei Annerose Merkt Ikebana-Kurse in der Volkshochschule Schorndorf belegen.
Heute sind die Gebilde aus Holz und Blumen, aus Gräsern und alten Eimern wieder verschwunden: Verblüht sind manche der wunderbaren Lilien, weggeräumt sind Vasen und Hölzer. Die Schönheit, auch dafür war die Schau ein Beleg, sie dauert halt immer nur einen Augenblick.Darüber muss nun aber keinerlei Trauer aufkommen. Denn schon der Titel, dem sich die Frauen verpflichtet haben, zeugte davon, dass der Kreislauf in Takt ist zwischen gestern und morgen, Winter und Frühling.

Aufbruch" heißt das Thema, mit dem sich die Ikebana-Frauen beschäftigt haben. Aufbrüche in der Natur, Aufbruch der Freude, der Gefühle, der Liebe, aufbrechende Formen und auch
Aufbruch in der Poesie.
In den Ikebana-Kreationen festgefroren für einen Augenblick. Kompositionen aus Blumen und Gegenständen, die ihre Spannung aus ihrer Gegensätzlichkeit ziehen: Kunst trifft auf Natur,
Arrangiertes auf Zufälliges. Eine einzelne Blume steht stellvertretend für die ganze Natur, eine rostige Kanne symbolisiert die Vergänglichkeit. Die Gegensätze auszuhalten, das fällt deshalb
leicht, weil alles zur Harmonie strebt.
Schönheit und Eleganz, die freilich nicht nur gefällig sein wollen. Ikebana-Menschen sind Sucher. Und sie sind stur. Weil Rose Köfer will, dass ihr Birke-Reis sich so und nicht anders um den
rostigen Drahtkorb schlängeln soll, hat sie es erst im Gartenteich gewässert, biegsam gemacht und dann in Form gebracht. Nun streben die dürren Äste so natürlich in ihre Umgebung, dass
der Betrachter die kleine Manipulation nicht einmal mehr erahnt, nicht einmal mehr erahnen kann. Aus dem Korb leuchtet grün-grell ein Naturprodukt, das beim ersten Anblick ein Salatkopf
sein könnte, beim genauen Hingucken sich aber als Schneeball entpuppt.
Sehen lernen, das Einzelne als wertig betrachten- auch dafür können einen die meditativen Kunstwerke anregen. Rindenstücke verbergen und enthüllen das neue, leuchtende Gelb der
Osterglocken. In einer weißen Vase stehen in vollkommener Harmonie das leuchtende Winterrot der Hartriegel mit den frischen Frühlingsfarben der Tulpen. Die Holzscheibe, die der Specht
durchbrochen hat, hat ihren Platz neben dunkellila Calla. Und wie durch Zauberhand zeichnen beide einen Kreis. Übereinstimmung und harte Kontraste: Der Ausbruch eines Vulkans gab die
Idee für die Komposition aus schwarz verkohlten Baumstümpfen und feuerroten Rosen, Scheinbar Totes erhält Energie, wird lebendig.
Kalliopi Fouskas arrangiert orange-gelbe Tulpen mit Aststückchen in einer Vase. Darüber stülpt sie eine Säule aus Plexiglas. "Den Frühling sehen, aber nicht fassen können, mein eigenes
Schicksal." Das Haiku interpretiert das Ikebana. Was war zuerst: dasHaiku, die Idee, der Gegenstand, die Blume? Annerose Merkt hat ein altes Rohr in eines ihrer Ikebanas verarbeitet. Wo sie es denn gefunden habe? "Das hat mich gefunden", sagt die IkebanaMeisterin und rückt die Blüte um einen Millimeter weiter. 
                                                                                                                                             Sabine Reichle

Seitenanfang

Kontakt

Links

Gästebuch

Archiv

Impressum

Copyright (c) 2005-2009 by Stuttgarter Ikebana Schule. Alle Rechte vorbehalten.